Es ist 8 Uhr morgens in Picton. Wir boarden gerade die Fähre, die uns zurück auf die Nordinsel befördert. 3 Wochen waren wir nun auf der Südinsel. Geplant waren eigentlich maximal 2 Wochen, doch letztendlich hat sich hier so viel ergeben, dass wir länger blieben und wohl auch noch länger bleiben könnten. Aber beginnen wir am Anfang.

Es mag etwas wie ein Déjà-vu klingen, auch diese Reise zur Südinsel begann etwas holprig. In der Nacht zuvor hatten wir einen der stärksten Stürme in Wellington erwischt. Das Auto wackelte immer weiter und der Regen hörte sich an, als schliefen wir in einer Waschanlage. Nun gut, im „Nächtedurchmachen“ sind wir mittlerweile geübt und so machten wir uns zeitig auf, um zum Fährhafen zu fahren. Da wir noch reichlich Zeit hatten, aber auch schon in der Warteschlange standen, nutzen wir die Gelegenheit ein paar Dinge im Internet zu erledigen (Timo musste einen Flug und ein Paar Zugtickets buchen). Es regnete dabei weiter wie aus Eimern. Vertieft in unsere Internetrecherche bemerkten wir nicht, dass wir sowohl das Radio als auch unsere Autolichter anließen. Als es nach ca. 1 ½ Stunden mit dem Boarding losging und die Fahrzeuge losrollten, wollte unser Bienchen nicht mehr anspringen.

Uppps… da war wohl die Batterie leer. Auch diesmal überkam mich leichte Panik, die Fährtickets waren schließlich nicht günstig.

Aber wie sagte Oscar Wilde so schön?: „Am Ende wird alles gut. […]“. So auch bei uns. Das Fährpersonal half uns äußerst professionell und so ging es mit vollen Zügen auf die Südinsel. Sobald wir die Segel setzten klärte sich zudem der Himmel auf und die Sonne kam zum Vorschein. Wir wurden mal wieder mit der schönsten Sicht überhaupt belohnt. Die Fahrt mit der Fähre durch die Cookstrasse von Wellington nach Picton und die Marlborough Sounds ist der absolute Kracher. Wir empfehlen daher definitiv eine der Fähren tagsüber zu nehmen.

 

 

Angekommen in Picton sind wir gleich weiter nach Nelson um uns hier wieder mit unseren Freunden zu treffen. Nelson ist ein kleines süßes Städtchen mit einem sehr schönen weitläufigen Strand. Da Nelson auch das Tor zum Abel Tasman Nationalpark ist, findet man immer eine Schar Reisender, die sich auf diesen wunderbaren Track mit dem ein oder anderen Bierchen vorbereiten. Auch wir sind 3 Tage später zum Abel Tasman gefahren, um hier 3 Tage/2 Nächte zu verbringen. Da wir aber keine entsprechende Ausrüstung wie Zelt, Schlafsack etc dabei hatten, musste das kurzerhand im Warehouse (ein sehr günstiges Kaufhaus) geshoppt werden. Natürlich nur vom Feinsten: Zwei Schlafsäcke und ein Zelt für ZUSAMMEN 30€! Nun konnte es losgehen, knappe 30km Wandern standen vor uns. Jeder der schon einmal in diesem Nationalpark war, wird mir zustimmen: Es kommt dem Paradies sehr nahe und ist wahrscheinlich einer der schönsten Tracks/Parks auf dieser Welt. Schaut euch die Bilder an, sie sagen alles. Nach gut 4 Stunden und ein paar Stops an diversen Buchten, kamen wir an unserer ersten Camp Site im Anchorage Bay an. Hier haben wir unser Zelt aufgebaut und noch einen kleinen Spaziergang am Strand gemacht. Da wir jedoch an den Isomatten gespart haben wurde es zu einer unfassbar kalten und sehr harten Nacht. Definitiv kein „Glamping“ (Glamorous Camping), wie wir es sonst immer gewohnt waren J! Entsprechend zerknirscht waren wir am nächsten Morgen, es standen aber weitere 12km Wandern mit Sack und Pack an. Der Weg war weiterhin wunderschön, jedoch haben wir uns in Bark Bay entschlossen ein Wassertaxi zurück zu nehmen (was übrigens auch ein Highlight war, da wir den Nationalpark diesmal vom Wasser aus bewundern konnten), um die kommende Nacht wieder weich in unserem Auto zu schlafen. Nichtsdestotrotz eine tolle Erfahrung mit unfassbaren Eindrücken, die wir nie vergessen werden.

 

 

Nach einer weichen, warmen und erholsamen Nacht, ging es mit einem Zwischenstopp am Lake Rotoiti an die raue Westküste. Der Lake Rotoiti, der im Nelson Lakes National Park liegt, ist tatsächlich einer der bisher schönsten Orte. Kann ich das überhaupt sagen? Wahrscheinlich nicht, denn bisher fand ich so gut wie jeden Ort in Neuseeland mit am schönsten ;). Gerne hätten wir hier mehr Zeit verbracht aber wir hatten vor nach Wanaka zu fahren (welcher auch ein seeehr toller Ort ist). Vorbei an den Pancake Rocks und dem Franz Josef Gletscher erreichten wir den Lake Wanaka. Man sagt Wanaka ist die „kleine Schwester von Queenstown“ und ist für seinen lockeres Flair und sein Skigebiet weltbekannt. Auch wir haben uns sofort wohl gefühlt und sehr schöne 3 Tage dort verbracht. Ein Highlight war die Rob Roy Gletscher Wanderung. Der Track dauert zur höheren Plattform ca. 3 Std (hin und zurück), aber jeder Meter ist es wert gewesen.

 

 

Anschließend ging es nach crazy Queenstown – der Welthauptstadt für Adrenalinjunkies! Auch wir haben es uns dort richtig gut gehen lassen. Zwar gab es keinen Skydive oder Canyon Swing für uns (wenn es nach Timo gegangen wäre, schon!), dafür aber Frisbee Golf, Stand Up Paddling und einen fetten Fergburger (weltbekannt btw.). Wer schon einmal in Queenstown war hat sicherlich auch von den Milford- und Doubtful Sounds gehört. Diese beiden Fjorde zählen wohl zu den größten Touristenattraktionen Neuseelands und liegen im Fjordland-Nationalpark. Wir entschieden uns für einen Overnight Cruise durch den Doubtful Sound. 770$ hat uns der Spaß gekostet, war aber auch wirklich jeden Cent wert. Anfangs stand das Wetter nicht wirklich auf unserer Seite (nicht ohne Grund heißt er „Doubtful“ Sound) wir hatten dennoch mit Nils & co. UND unseren reingeschmuggelten Weinflaschen einen Heidenspaß. Highlight am ersten Tag war auf jeden Fall der Sprung ins eiskalte Fjordgewässer. Es war eiskalt! Am nächsten Morgen klärte sich der Himmel plötzlich auf, sodass wir auf der Rücktour mit einer unfassbaren Landschaft belohnt wurden. Konnte es noch besser kommen? Quatsch, wir waren alle so glücklich und zufrieden, was sollte das noch toppen? Dann hielten wir in einer kleinen Bucht. Der Captain schaltete den Motor aus. Absolute stille für fünf Minuten. Einfach mal genießen war das Motto! Und dann kamen sie zum Vorschein. Delphine! Ich habe tatsächlich noch nie wilde freilebende Delphine gesehen. Ich bekam Gänsehaut. Ich weiß nicht, ob das doof klingt, aber dieser Moment war unfassbar. Der Captain schaltet den Motor wieder ein und wir cruisten weiter. Die Delphine folgten uns und sprangen mit einem Salto nach dem anderen neben uns her. Man sah ihnen richtig die Freude an, die sie dabei hatten und ein Babydelphin war auch dabei. Unbeschreiblich schön!

 

 

Ein weiteres tolles Erlebnis, was wir jedem Queenstown Besucher nur ans Herz legen können, ist die Fahrt entlang des Lake Wakatipu bis nach Glenorchy. Die Locals sagen, es sei die schönste Straße an einem See entlang auf der ganzen Welt. Dem können wir nur zustimmen!

Bei der ganzen Euphorie und den vielen unbegreiflichen Eindrücken haben wir ganz Vergessen zu erwähnen, dass wir mit unserem Auto auch 2 mal in der Werkstatt waren. Die Bremsen waren runter und wir konnten uns neue Bremsbeläge für 500$ abholen. Scheiss drauf, wir haben die Zeit unseres Lebens.