Neuseeland – weiter weg von zu Hause war ich wohl noch nie. Auch diesmal hatten wir einen Nachtflug, der sehr holprig begann. Pünktlich zum Abflug in Melbourne raste ein Gewitter auf uns zu. Den Durchsagen entnommen wir, dass wir uns mit dem Boarding beeilen müssten, denn es sei ein „gewaltiger Sturm im Anmarsch“. Super! Entsprechend froh und erleichtert war ich, als wir in Auckland mit ein wenig Verspätung wieder Boden unter den Füßen hatten. Das Wetter zeigte sich dort von seiner feinsten Seite und so erkundeten wir nach dem Einchecken unseres Airbnb Apartments die Umgebung. Auckland ist eine kleine aber wie ich finde sehr feine Stadt. Sehr überrascht waren wir, dass uns alle Locals grüßten, als würden wir bereits Jahre dort leben. Unsere Berliner Skepsis ließ uns die ersten Male sehr stutzen und so umkrallten wir jedes Mal unsere Wertsachen. Hahaha, man ist hier tatsächlich aber einfach nur mega freundlich und so dauerte es nicht lange bis wir jede einzelne Minute in diesem Land genossen. Die ersten Tage waren dennoch recht aufregend, wir hatten nämlich vor, uns ein eigenes Auto zu kaufen. Mit diesem wollen wir das Land erkunden und es zugleich zum Schlafen zu nutzen. Gemäß unserer Recherche im Vorwege sind wir auf eine deutsche Auswanderin aufmerksam geworden, die zusammen mit ihrem neuseeländischen Mann Autos an hauptsächlich Backpacker verkauft und sie auch (vertraglich festgelegt) nach Ende der Reise zurückkauft. Besser ging es doch nicht. Problem war nur, dass Neuseeland im Sommer voller Backpacker ist. Wir mussten zeitig feststellen, dass es wahnsinnig schwierig ist, in der Hauptsaison an ein taugliches Auto heranzukommen. Wie das Schicksal es aber so wollte haben wir dennoch eine flotte Biene erwischt. Ein Toyota Estima, Baujahr 2000 ist es geworden. Der hintere Bereich wurde umgebaut zu einem seeehr gemütlichen Bett mit ausgiebig Stauraum im unteren Teil. Es hat nicht lang gebraucht, bis wir uns in unserem „neuen zu Hause“ eingerichtet hatten. Nach dem Kauf und 8000 NZD ärmer begaben wir uns sofort auf Tour. Unser erster Stop war an der Tutukaka Coast. Eine unheimlich schöne Küste mit unfassbaren Stränden. Hier haben wir auf einem Parkplatz direkt am Meer geschlafen. Ein Traum! Ich war hin und weg. Gewohnt ist man das aus Deutschland weniger, einfach ein Plätzchen zu wählen, an dem es einem gefällt zu übernachten. Und da weit und breit keine Menschenseele zugegen war, hatten wir Sicht auf den schönsten Sternenhimmel, den ich jemals gesehen habe. Kleiner Tip für Nachahmer, der Parkplatz befindet sich in Matapouri in der Wehiwehi Road. Von dort aus ging es in den hohen Norden nach Ahipara (90 Mile Beach). Hier wollte Timo die weltberühmte Welle „Shipwrecks“ aus dem Film The Endless Summer surfen. Leider, wie bisher in Neuseeland, hat er nicht so ein Glück mit dem Swell. Die Wellen sind einfach zu klein! Da das Wetter auch nicht wirklich mitgespielt hat, sind wir nach ein paar Tagen weiter, um die Coromandel Peninsula im Bay of Plenty zu erkunden. Ein paar Küstenorte später ließen wir uns in Mt. Maunganui nieder. Was für ein schöner und entspannter Ort. Wir haben direkt zwischen Berg und Meer gecampt, viel Sport getrieben, sind wandern und Kaffee schlürfen gegangen und Timo hat seinem Freund Nils aus Berlin versucht, das Surfen beizubringen. Nils und seine Bekannte Tini begleiteten uns ein paar weitere Destinationen und so fuhren wir drei erholte Tage später Richtung Rotorua. Puh, der Schwefelgeruch dort geht gut in die Nase. Selbst bei einem Nachmittagskaffee hat man das Gefühl auf einer öffentlichen Toilette zu sitzen. Somit ging es direkt weiter nach Lake Taupo. WOW! Hier haben wir einen Camping Platz gefunden, der auch für Nichtselbstversorger Fahrzeuge zugänglich und gratis ist. Reids Farm heißt der gute Ort. Super idyllisch am Waikato River gelegen, indem man sich dann auch gewaschen hat (brrrrr). Durch die nichtvorhandenen Kosten findet man jedoch die ein oder andere komische Gestalt auf dem Camping Platz an. Aber was soll’s, es war eine super Erfahrung und hat echt Spaß gemacht. Natur pur halt! Am kommenden Tag entschieden wir uns für einen Kayakausflug. Vom Verleih bis zum Mine Bay sind wir gepaddelt, was gute 1 ½ Stunden dauern kann. Jedoch wird die Anstrengung mit traditionellen Maorizeichnungen in einer riesigen Felswand belohnt. Das i Tüpfelchen ist dann eine Runde Schwimmen im glasklaren Lake Taupo. Vergleichen kann man die Landschaft ein wenig mit dem Starnberger See. Bis hierhin definitiv eines unserer Highlights.

Nach diesem Ausflug war uns aber klar, dass das eine ordentliche Portion Muskelkater bedeutet. Ausruhen war angesagt, denn am nächsten Tag haben wir uns an das Tongario Alpin Crossing rangewagt. 20km bergauf und bergab wandern standen auf dem Programm. Um 6:30 hat uns der Bus zum Start des Tracks gebracht. Ich muss sagen, dass ich nicht mit so vielen Leuten gerechnet habe. 1000 Trackinglustige wagen sich hier wohl bei gutem Wetter jeden Tag her. Da Timo und Nils ein sportliches Tempo vorgelegt haben, waren wir jedoch nach ca. 2 Stunden ziemlich alleine unterwegs und konnten die Highlights der Strecke ganz für uns allein genießen. Die Bilder werden für sich sprechen. Diese weitläufige Sicht, Kraterlandschaften, der Vulkan und die „Blue Pools“ waren einmalig und haben uns alle umgehauen. Hinzukommt dieses tolle Gefühl, wenn man das Ziel endlich erreicht. Die letzten 4 km haben sich wirklich sehr wie Gummi gezogen. Man fragt sich immer und immer wieder, ob das Ziel evt. nach der nächsten Kurve liegt und wird dann immer und immer wieder enttäuscht, dass es doch noch nicht so weit ist. Aber die Anstrengung hat sich sowas von gelohnt. Da waren wir uns alle einig. Das Tongariro Alpin Crossing können wir, trotz vieler Touristen, wärmstens empfehlen! Definitiv ein weiteres unserer Highlights!

Übernachten wollten wir an dem Abend in einem Örtchen, das etwa 1 ½ Fahrtstunden am Ende des Nationalparks entfernt lag. Diese Fahrt bot mir die absolute Entspannung (nicht nur weil Timo gefahren ist). Wir fuhren entlang der Desert Road und wie der Name bereits vermuten lässt, fühlte sich es tatsächlich ein wenig an, als wäre man in der Steppe. Hinzu kommt diese Landschaft links und rechts von uns. Die Sonne schien, rechts von uns der schneebedeckte Mt. Ruhapehu und hinter uns der Mt. Ngauruhoe, der aussieht, als könne er jede Minute ausbrechen. Ein Freiheitsgefühl, was man einfach nicht beschreiben kann.

Der Abend im Ort Ohakune, welcher im Winter Skifahrer anzieht, wurde mit ein paar Bierchen zelebriert, bevor es dann nächsten Morgen an die nördlich von Wellington gelegene Kapiti Coast ging. Ihr merkt, wir sind echt viel on the road. Hier standen 2 Tage Abspannen und relaxen an. Normalerweise kann man hier auch ziemlich gut surfen, aber wie gehabt keine Wellen in Sicht. Wir haben in Paekakariki auf einem sehr schönen Camping Platz am Strand gehaust. Wer entspannen will ist hier genau richtig. Empfehlen können wir aber definitiv auch das weiter nördlich gelegene Stranddörfchen Paraparaumu. Viele Cafés und eine tolle Promenade zum Spazieren haben uns einen ganzen Vormittag beschäftigt.

Die letzten 4 Tage, bevor wir dann mit der Fähre auf die Südinsel setzten, haben wir in Wellington verbracht.

Den berühmtberüchtigten Wetterwechsel und stürmischen Wind haben wir voll zu spüren bekommen. Heiß, kalt, Regen, Sturm, Sonne und so weiter. Den ganzen Tag! Nichtsdestotrotz haben wir einiges unternommen. Als es mal wieder geregnet und gestürmt hat, sind wir für 2 Stunden in das Te Papa Museum gegangen. Das Nationalmuseum, indem vor allen Dingen die Entwicklung Neuseelands beschrieben wird, ist absolut einen Besuch wert. Interessant fanden wir aber auch die Erdbeben Simulation. Da Erdbeben aufgrund der Häufigkeit mittlerweile zum Alltag für Neuseeländer gehören, ist es gut zu wissen, wie man sich verhalten soll und wie es sich in etwa anfühlen kann.

Immer, wenn die Sonne mal zum Vorschein kam, haben wir die Gunst der Stunde genutzt und eine Aktivität im freien unternommen. Mal sind wir hoch zum Mount Victoria, auf dem man eine super 360 Grad Sicht auf Wellington hat und mal sind wir einfach von Bay zu Bay spaziert. Was uns natürlich gefallen hat, ist der Fakt, das Wellington die „Café-Hauptstadt“ der Welt ist. Es gibt wohl nirgendwo so viele Café pro Einwohner wie hier. Das fällt definitiv auf und hat unseren Schleckermäulern gemundet. Empfehlen können wir hier die komplette Cuba Street und die parallel davon liegende Hannah Factory Laneway.

Doch genug geschwärmt, nun geht es ab auf die Südinsel. Gletscher, Fjorde (Sounds), Seen, spektakuläre Küsten und ein paar verrückte Dinge stehen auf dem Programm!